In der letzten Zeit hatte ich die Kamera öfters mal auf schwarzweiss eingestellt, so daß ich bereits die Voransicht auf dem rückwärtigen Display ohne Farben bekam. Außerdem hatte ich mich dabei meist auf eine Brennweite um die 17 oder 18mm beschränkt, was Kleinbild-äquivalent etwa 35mm entspricht. Ich wählte eine solche selbstgesetzte Limitierung, um mich an früher (Schwarzweiss-Film) und an Kameras ohne Wechsel- oder nur mit einem leicht weitwinkligen Objektiv zu erinnern. Schließlich sind auch früher und genau auf diese Weise schon sehr viele sehr gute Fotos gemacht worden.
Was kam dabei heraus? Nun, vorgestern abend zum Beispiel regnete es – also nutzte ich den vorhandenen Studioblitz und den Spieltrieb unserer Katze, um folgendes Tier”portrait” zu fabrizieren:
Und gestern nutzten wir die Sonne, um eine kurze Fahrradtour nach Mörfelden und zurück zu machen:
Eine solche Aufnahme erinnert schon irgendwie an “früher”, findet Ihr nicht? Den Kamerarucksack hatte ich übrigens absichtlich dort im Bild stehen lassen.
Heute mußten wir nach Frankfurt – bei mir stand eine Nachuntersuchung beim Nuklearmediziner an. Nach diesem Termin traf ich mich mit Mitchie und Zuleikha in der Zeil-Galerie vor einem Kamerageschäft. Und weil dort im Schaufenster ein Objektiv stand an welches ich bereits mehrmals gedacht hatte, gingen wir hinein, und ich bat den freundlichen aber beschäftigten Verkäufer, mir das Teil kurz zu überlassen. Nachdem er dies getan hatte, drehte er sich weg und telefonierte weiter:
Das Objektiv ist von der Firma Nikon und hört auf den Namen “AF Nikkor 85mm 1:1.8 D”. Und da ich aber eine Olympus Kamera besitze, passt es an diese nur mit einem Adapter, wobei der AF (=Autofokus) dann auch wegfällt. Also war manuelles Scharfstellen angesagt. Beim Foto des Kameraverkäufers fiel mir zu Hause auch ein so genanntes “purple fringing”, also ein lila Farbsaum über Hals und Schulter des Mannes auf, was aber in jedem Raw-Konverter mit einem Mausklick korrigiert werden kann. Weshalb ich an dieses Objektiv gedacht hatte und es ausprobieren wollte? Weil es eine solche Brennweite mit einer solchen Öffnung nicht von Olympus oder Panasonic gibt. Und weil ein Objektiv von Nikon dann immerhin – später einmal – an einer Nikon Kamera auch automatisch scharfstellen würde.
Tja, die Schärfe manuell einwandfrei einzustellen ist so eine Sache. Die Sucher und Mattscheiben moderner digitaler Spiegelreflexkameras sind dafür eigentlich nicht mehr geeignet (mit Ausnahme einiger sehr hochpreisiger Modelle, bei denen eine Mattscheibe mit Schnittbildindikator – wie früher – eingebaut werden kann). Und die Displays auf der Rückseite zeigen sogar sehr genau die Schärfe an, welche tatsächlich am Sensor anliegt, und das auf Wunsch auch noch in einiger Vergrößerung – aber wenn man es mit bewegten Objekten zu tun hat, verliert man schnell den Gesamtüberblick über das zu erwartende Ergebnis.
Dies hier war und ist zum Beispiel nicht hundertprozentig scharf:
Aus dem Grund habe ich – was ich sonst so gut wie nie mache – eine leichte Unschärfemaske in der Nachbearbeitung benutzt, um das Bild dennoch zumindest für eine Darstellung auf einer solchen Webseite wie hier zu retten.
Übung gehört dazu. Immerhin läßt sich dieses 85mm Objektiv leichter manuell scharf stellen als mein ebenfalls manuelles 50er von Olympus. Und die Hintergrundunschärfe ist bei Offenblende dann auch wirklich bemerkenswert. Damit würde ich gerne öfters einmal herumspielen – wenn ich mal wieder ~ 430€ übrig haben sollte, werd ich das nochmal überlegen. Es gibt übrigens von der koreanischen Firma Samyang ein Objektiv ab ca. 250€, welches sogar eine Blende von 1:1.4 bietet und dabei mindestens ebenso scharf abbildet wie das heute ausprobierte Nikon. Sowas liegt nur leider nicht bei örtlichen Händlern zum Ausprobieren herum.
Danke für’s Anschauen und für’s Lesen.



